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Sport-Fit-Well  10.02.2018 (Archiv)

Hunger durch Diät

Sich hungriger zu fühlen und für den Rest des Lebens weniger zu essen, das könnte laut einer Studie der Norwegian University of Science and Technology der Preis für ein dauerhaftes Abnehmen sein.

Untersucht wurde, warum es so schwer sein kann, nach einer wesentlichen Gewichtsabnahme ein gesundes Gewicht auch zu halten. Auch in Norwegen ist eine von vier Personen übergewichtig.

Für die Studie wurde der Appetit von Patienten erforscht, die an einem zweijährigen Programm zur Gewichtsabnahme teilnahmen. Nach zwei Jahren hatten alle Teilnehmer Gewicht verloren. Alle waren aber auch hungriger als zu Beginn. Enscheidend scheint bei einer starken Gewichtsabnahme die Balance zwischen dem Hunger und den Sättigungshormonen zu sein. Laut Forschungsleiterin Catia Martins erhielten 34 Patienten mit krankhafter Fettleibigkeit zwei Jahre lang den derzeitigen Goldstandard zur Behandlung. Zu Beginn wogen die Teilnehmer durchschnittlich 125 Kilogramm.

Zu Beginn verbrachten die Probanden drei Wochen in einem Behandlungszentrum, wo sie regelmäßig Sport betrieben und sich verschiedenen Tests unterzogen. Zusätzlich gab es eine Ernährungsschulung und Gespräche mit Psychologen. Dieser Vorgang wurde rund alle sechs Monate wiederholt. Nach zwei Jahren hatten die Teilnehmer durchschnittlich elf Kilogramm abgenommen. In den ersten drei Wochen verloren sie rund fünf Kilogramm. Zwei von zehn Teilnehmern schafften es, ihr Gewicht nach Beendigung des Programms zu halten. Laut Martins können die meisten Fettleibigen sogar allein Gewicht verlieren. Die Forschung zeigt jedoch, dass es nur 20 Prozent schaffen, das neue Gewicht auch zu behalten.

Zwei Faktoren eine Rolle: die menschliche Evolution und die Fähigkeit des Körpers, das Überleben zu sichern. Im ersten Fall ist ein Hormon entscheidend, im zweiten die Fähigkeit des Körpers, Energie zu sparen. Beim Abnehmen setzt der Magen größere Mengen des Hormons Ghrelin frei. Dieses Hormon bewirkt ein Hungergefühl. Laut Martins haben alle Menschen dieses Hormon. War ein Mensch jedoch übergewichtig und nimmt dann ab, so steigen die Hormonwerte. Sie passen sich jedoch im Laufe der Zeit nicht an. Laut den Ergebnissen blieben sie während der Studienlaufzeit hoch. Das bedeutet, dass die Betroffenen wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens mit einem erhöhten Hungergefühl leben müssen.

Die Fähigkeit des Körpers zum Energiesparen wirkt sich auch beim Abnehmen aus. 'Ein Mensch, der fettleibig war, hat mehr Energie verbraucht, um zu atmen, zu schlafen, Essen zu verdauen oder zu gehen', weiß Martins. Nimmt dieser Mensch ab, ist für diese Grundfunktionen weniger Energie erforderlich. Manche Menschen gehen dann in einen 'Sparmodus'. 'Wenn ein Mensch sein Leben lang 80 Kilogramm gewogen hat, kann er mehr essen, als jemand der dieses Gewicht durch das Abnehmen erreicht hat. Der Unterschied beträgt rund 400 Kalorien, das entspricht einem guten Frühstück oder vier Bananen.'

Menschen, die Gewicht verloren haben, brauchen also weniger Energie und fühlen sich trotzdem hungriger, da ihr Körper versucht, sicherheitshalber dieses Gewicht wiederzuerlangen. Laut der Studie nahm auch das Sättigungsgefühl nach dem Essen zu, jedoch deutlich weniger als der Hunger. Laut Martins sollte Fettleibigkeit als chronische Erkrankung angesehen werden. 'Fettleibigkeit ist für den Rest des Lebens ein täglicher Kampf. Wir müssen mit kurzfristigen Maßnahmen aufhören und damit die Patienten dann sich selbst zu überlassen.' Weitere Details stehen im 'American Journal of Physiology, Endrocrinology and Metabolism'.

pte/red

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