Kinder im Internet
Kinder und Jugend im Internet schützen
style.at | 05/2026
Der Staat ist und wird gefordert, wenn es um den Jugendschutz und Social Media geht. Die Antwort von dort ist nicht nur falsch, sondern auch überschießend – mit Verboten erreicht man keine Medienkompetenz, zerstört aber eine Menge an Nutzen des Internet bei gleichzeitigen Eingriffen in Grundrechte. Insbesondere jener der Kids. Dabei ist der Schutz der Kinder auch ohne solche ultimativen Eingriffe für alle schon ganz einfach möglich, auch im Rahmen normaler elterlicher Aufgaben. Hier sind die Tipps, wie man mit Kindern im Internet umgehen sollte.
Was Kinder- und Jugendschutz angeht, so muss man altersgerechte Zugänge nutzen. Wir gliedern diese Empfehlungen daher in Altersgruppen und zeigen, was für diese Gruppen empfohlen ist, wo dort noch Limits existieren und geben Hinweise zu Erziehung und Hilfsmittel dazu.
Kinder bis 5 Jahre
Das Internet hat in dieser Altersgruppe noch keine Bedeutung. Es werden weder eigene Endgeräte noch die eigenständige Nutzung von Apps und Websites empfohlen. Spezielle Kinder-Angebote speziell für diese Gruppe können unter Beaufsichtigung mit Augenmaß eingesetzt werden.
EMPFEHLUNGEN
- keine eigenständige Nutzung vorgesehen
- ab 4 Jahre können Eltern gemeinsam Kinderangebote nutzen
- Eltern können sich auf die Zeit danach vorbereiten – Weiterbildung!
LIMITS
- keine eigenständige Nutzung vorgesehen
- tägliche Bildschirmzeiten unter einer halben Stunde halten
Für Eltern werden viele Angebote – Kurse, Online-Videos, Schulungsunterlagen – geboten. Halten Sie die Augen offen und bilden Sie sich selbst weiter, denn schon bald werden die Kinder technisch schnell aufholen und sollten kompetente Eltern als Gegenüber haben.
Kinder 6 bis 10 Jahre
Erste eigenständige Erfahrungen mit dem Computer, dem Smartphone und dem Internet kommen mit der Schulzeit. Es ist wichtig, dass Kinder hier begleitet werden und Kompetenz aufbauen können.
EMPFEHLUNGEN
- Kinder sollten eigenständig Erfahrungen machen können
- Unterstützung durch Eltern erforderlich
- Lehren von Möglichkeiten und Risiken!
LIMITS
- bis zu einer Stunde Nutzung am Bildschirm pro Tag (steigert sich mit Alter)
- keine Permanentkontrolle durch Eltern, aber wachsame Augen und Kontakt für Fragen notwendig
- Verbot von Gewinnspielen, kostenpflichtigen Angeboten, App-Downloads, Registrierungen, Age-Walls
Geben Sie Tipps zu passenden Seiten für Kinder (Kindersuchmaschinen, Kindervideoplattformen etc.) und haben Sie ein offenes Ohr für die vielen Fragen, die auftauchen. Verbote sind erforderlich, so dürfen Kinder nichts Kostenpflichtiges nutzen, keine Gewinnspiele nutzen, keine Daten eingeben, interaktiv (chat) keine Informationen zu ihrer Person oder ihrem Standort beantworten, bei „komischen Seiten“ (wenn ein „ab 18“ Button kommt) die Eltern fragen und mehr – die Grenzen einfach definieren, Kinder halten sich daran wie sonst auch! Ein „strenger“ Rahmen gibt den Kindern die Sicherheit, das Internet auch sinnvoll nutzen und lernen zu können.
Sprechen Sie Risiken ab: Mobbing, Grooming, Betrug, Stalking, ungeeignete Inhalte (Gewalt, Sexualität, … – alles, was Kinder noch nicht verstehen) sollten angesprochen werden (und einen „Eltern-Notruf“ erfordern). Am Anfang beginnt die Nutzung in einer geschützten Umgebung, je weiter die Kinder daraus ausbrechen können (und sollen!), desto mehr muss an Grenzen und Wissen da sein. Das bereitet auf die kommende Nutzung am eigenen Endgerät vor!
Tipp: Protokollieren Sie gemeinsam die Nutzungszeit, damit das Kind sein Zeitbudget einhalten lernen kann. Ein kariertes Blatt, auf dem man Felder für alle 10 Minuten ausfüllen kann, reicht dazu schon aus. Die kleineren beginnen mit drei Kästchen pro Tag, die größeren haben dann schon sechs davon. Und ein Handel vorab ist durchaus möglich, die Zeit wird zum Gut, das man dann künftig gut einschätzen und beachten kann – das hilft enorm gegen potenzielles Suchtverhalten!

Kinder 11 bis 13 Jahre
Kommunikation mit anderen auf technischem Weg wird interessant, das erste eigene Endgerät dürfte anstehen.
EMPFEHLUNGEN
- mit dem Endgerät kommen Risiken, das Gelernte vertiefen helfen
- Freiraum für eigenständige Nutzung (statt Überwachung) schaffen
- Eigenes Smartphone macht Sinn, wenn es im Freundeskreis und Schule üblich wird – Absprachen unter Eltern treffen
- Spotify (etc.) für Musik zeigen
- Youtube (etc.) für Informationsvideos zeigen
- Mechanismen in Social Media erklären (Doomscrolling? Warum machen Plattformen das?)
- Gaming könnte ein Thema werden – Onlinespiele haben ähnliche Mechanismen wie SM
- In-App-Käufe sperren (PIN erforderlich machen)
- Interesse zeigen, sich „über Neues im Web“ informieren lassen
LIMITS
- bis zu zwei Stunden Bildschirmzeit am Tag als „Empfehlung in Selbstverantwortung“
- Verhaltenskodex im interaktiven Chat (gegen Grooming, Stalking, Erpresser, Mobbing…)
- Vorbildfunktion nutzen – die eigene Mediennutzung kontrolliert halten ;-)
Kinder sollten sich nun frei bewegen können, sie haben die Kompetenz dazu auch schon erworben. Für Fragen weiter ein offenes Ohr haben, aber nicht alles kontrollieren. Und ja, Kinder werden auch Dinge sehen, mit denen sie erst langsam und mit viel Neugierde umgehen lernen. Aufklärung ist da auch so ein Bereich, der mit dem Internet schon früher als gedacht notwendig sein wird.
Eine starke Schulter und ein offenes Ohr brauchen Kinder aber auch in der Kommunikation mit anderen – Zurückweisungen, Ghosting, Mobbing und mehr wird im Gruppenchat schnell zur Herausforderung. Auch das muss ein Kind erst erlernen.
Das eigene Smartphone ist ein Wendepunkt in der Mediennutzung. Es nicht immer greifbar zu halten, hilft insbesondere am Anfang. Führen Sie gemeinsame Ladestationen als „Schlafplatz“ für das Handy ein, wo die ganze Familie ihre Geräte ablegt und nur geplant und kontrolliert zur Nutzung nimmt.
Kinder 14 bis 16 Jahre
Mündigere Jugendliche treffen auf das Social Media – und der soziale Druck steigt insgesamt. Aber auch die Chancen, durch elektronische Kommunikation Bestätigung und Wissen zu bekommen, die Persönlichkeit zu entwickeln.
EMPFEHLUNGEN
- Social Media und KI werden zum ständigen Begleiter
- Gaming und interaktive Elemente dort gehören dazu
- Eigenverantwortung steigt – auch legal
- Freiräume schaffen (kein Handy beim Essen…)
LIMITS
- zwei bis drei Stunden Onlinezeit sind nicht selten, die Jugendlichen sollten aber Überblick drüber behalten (Log)
- rechtliche Auswirkungen müssen immer bekannt sein
- Kids sollten sich auch selbst informieren, was Grenzen und Möglichkeiten sind – Kompetenz holen
Das ganze Internet steht offen, die Eltern haben nicht mehr den Zugriff über Verbote. Daher war es wichtig, die Leitplanken und das Wissen schon zuvor zu verbreiten. Die Jugend ist daher jetzt bereits schon selbst kompetent genug für eine korrekte Nutzung.
Und wenn es mal nicht klappt, ausufert? Ein offenes Gespräch mit den Eltern kann hilfreich sein, wird aber nicht immer funktionieren. Auch „externe“ Kontakte sind gute Gesprächspartner – nutzen! Lehrer, die Vertrauen genießen, gute Freunde und mehr können „neutrale“ Hilfen in schwierigen Fragen geben. Hotlines bis hin zu Therapeuten wären auch noch ein letzter Ansprechpartner, wenn sonst nichts hilft. Kommunikation im Internet wirkt schließlich zumindest genauso stark und hart wie die persönliche, braucht aber oft ein mehr an Reflexion, die im persönlichen oft zwischen den Zeilen abläuft. Das schafft Risiken für die Psyche, die es rasch abzubauen gilt. Und auch hier: Die bisherige Arbeit mit den Kindern in den neuen Medien sollte viele Hürden abgebaut haben, um auch schwierige Situationen gemeinsam meistern zu helfen.
Hilfreich für Eltern
Die Betriebssysteme, Apps und Programme bieten viele Funktionen, um Kindern ein sicheres Arbeiten mit neuen Medien zu ermöglichen. Machen Sie sich mit den integrierten Möglichkeiten vertraut, da kann man ganz einfach die Bildschirm- oder Nutzungszeit einschränken und viel mehr.
Spezielle Elternangebote wie die Aktion Safer Internet der Provider sind tolle Hilfen mit Checklisten und aktuellen Tipps. Sich umschauen und dort weitere Informationen sammeln ist ein guter Start, um als Elternteil informiert an die Sache rangehen zu können.
