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Technik  19.07.2022

LGBTQ und Social Media

Soziale Medien sind unsichere, diskriminierende Orte für Nutzer aus der LGBTQ-Gemeinschaft. Das belegt der jüngst erschienene 'Social Media Safety Index' der Gay and Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD).

In der GLAAD-Bewertung, die auf einer Umfrage unter LGBTQ-Personen basiert, schneiden alle großen Social-Media-Plattformen in dieser Hinsicht schlecht ab. Von möglichen 100 Prozent für eine optimale Sicherheit, Privatsphäre und Meinungsfreiheit für Nutzer aus der LGBTQ-Community sind alle Player weit entfernt: Mit mageren 48 Prozent schnitt Instagram noch am besten ab, gefolgt von Facebook (46 Prozent), TikTok und YouTube (je 45 Prozent) sowie Twitter mit 43 Prozent. Dabei sind LGBTQ-Menschen als positive Werbeträger für Marken für Social-Media-Konzerne auch geschäftlich interessant.

Die GLAAD bemängelt, dass die Plattformen zwar selbstverpflichtende Richtlinien zum Schutz von LGBTQ-Nutzern aufgestellt hätten. Diese seien jedoch unzureichend. Während TikTok und Twitter ihre Nutzer etwa daran hinderten, Personen falsch zu bezeichnen oder zu benennen, sei dies bei Facebook, Instagram und YouTube nicht der Fall. Jede Plattform verfüge über Verbote, um schädliche Anti-LGBTQ-Werbung zu verhindern, aber alle fünf würden schlechte Arbeit leisten, wenn es darum geht, die Demontierung und Entfernung von LGBTQ-Inhalten zu verhindern.

Ein weiterer Bericht von der Anti-Defamation League zeigt auf, dass 66 Prozent von befragten LGBTQ-Personen äußerten, online mit Hass belästigt worden zu sein. Außerdem berichteten 54 Prozent von ihnen von 'schweren Belästigungen', zu denen körperliche Gewalt-Androhungen, Stalking, sexuelle Belästigung und Doxing gehören.

Mehr Regeln gefordert

Die meisten Briten fordern mehr Engagement von sozialen Medien, um schädliche Inhalte zu blockieren. Dies zeigt eine Umfrage der britischen Regierung unter 1.000 Erwachsenen des Vereinigten Königreiches. 68 Prozent der Befragten fordern von Social-Media-Plattformen, mehr zu tun, um Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit auf ihren Plattformen zu verhindern. Die Regierung hat einen Gesetzenwurf vorgelegt, der auch hohe Geldstrafen für Tech-Unternehmen vorsieht, die ihrer Verantwortung nicht nachkommen.

Die Umfrage ergab außerdem, dass 38 Prozent im letzten Monat derart negative Inhalte auf diesen Plattformen gesehen haben. 84 Prozent sind über solche Inhalte besorgt. Mit 45 Prozent äußerte fast die Hälfte der Bürger, soziale Medien künftig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zu nutzen, falls große Player wie Facebook, Twitter und Tiktok nichts unternehmen.

Ein Gesetzentwurf der Regierung zur Regulierung von Social Media-Unternehmen und zum Schutz der Menschen vor schädlichen Inhalten durchläuft derzeit das Parlament. Nadine Dorries, Ministerin für Digitales, sieht die Umfrage als Bestätigung für den Wunsch der Menschen nach einer strengeren Kontrolle der sozialen Medien. Sie sagt: 'Es ist klar, dass die Menschen in ganz Großbritannien über dieses Thema besorgt sind und da unser bahnbrechender Gesetzesentwurf zur Online-Sicherheit die nächste entscheidende Phase im Parlament erreicht, sind wir einen großen Schritt näher daran, die Tech-Giganten zur Verantwortung zu ziehen und das Internet für jeden in unserem Land sicherer zu machen.'

Der Gesetzentwurf zur Online-Sicherheit legt gesetzlich fest, wie sich Online-Plattformen verhalten sollten, um ihre Nutzer besser zu schützen. Neben weiteren Straftatbeständen werden auch strafrechtliche Sanktionen für Führungskräfte und leitende Angestellte von Technologie-Unternehmen eingeführt. Die Umfrage ergab, dass 78 Prozent der Befragten klare Angaben von Social-Media-Unternehmen fordern, welche Inhalten auf ihren Plattformen erlaubt sind und welche nicht.

Die britische Regierung hat bereits erklärt, dass die neuen Gesetze Kinder schützen, illegale Inhalte bekämpfen, die Meinungsfreiheit sichern und Social-Media-Plattformen zwingen werden, von ihnen angegebene Geschäftsbedingungen einzuhalten. Tun sie das nicht, wird die Regulierungsbehörde Ofcom auf Einhaltung der Vorschriften pochen und bei Bedarf Geldstrafen verhängen. Diese können bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes und damit Mrd. von Pfund betragen. Damit will die Regierung Unternehmen dazu bringen, ihrer Verantwortung nachzukommen oder nicht-konforme Webseiten zu sperren.

Diskriminierende, menschenverachtende Inhalte auf Social-Media-Plattformen sind kein neues Problem. So gilt unter anderem TikTok als Brutstätte für Antisemitismus. Wissenschaftler halten die Bemühungen der Netzwerke im Kampf gegen Hassreden und Fake News für nicht ausreichend.

pte/red

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#Social Media #Geschlecht #Datenschutz #Privatsphäre #Gewalt



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