Gleich zu Beginn wird die Richtung des Films angedeutet. Es wird spannender und gruseliger, wobei das Gruseln wohl auch nur bei unter 10-Jährigen einsetzen wird. Aber zum Gruseln ist Twilight nicht geschaffen worden, vielmehr konzentriert man sich auf das weibliche Publikum und deren Wünsche.
Und das ist nun mal die Dreiecksbeziehung der Hauptdarsteller Robert Pattinson, Kristen Stewart und Taylor Lautner, der zur Freude der Fans wieder großteils ohne T-Shirt zu sehen ist. War diese Beziehung in 'New Moon' noch sehr dominant, gibt es in 'Eclipse' einen ebenso dominanten zweiten Handlungsverlauf, der für Abwechslung sorgt. Das männliche Publikum kann etwas aufatmen.
Inhalt
'New Moon' endete mit dem Heiratsantrag von Vampir Edward (Robert Pattinson) an seine Freundin Bella (Kristen Stewart), in 'Eclipse' dreht sich nun alles darum, ob Bella diesen Antrag erwidern oder ablehnen wird. Und dann bleibt auch noch die Frage, wann Bella von Edward zum Vampir gemacht werden soll, denn der mächtige Vampir-Clan der Volturi hat Bella nur unter der Bedingung am Leben gelassen, dass sie schon bald selbst als Vampir auf dieser Welt wandeln soll.
Währenddessen versetzt eine brutale Mordserie ganz Seattle in Angst und Schrecken. Edwards Familie, die Cullens, finden schon bald heraus, dass hinter den Morden neugeborene Vampire stecken, die offenbar als Armee herangezüchtet werden. Doch von wem? Hellseherin Alice (Ashley Greene) bleibt die Wahrheit in diesem Fall verborgen und so können die Cullens und Bella nur Mutmaßungen darüber anstellen, wer sich dafür verantwortlich zeichnet. Entweder sind es die Volturi die dahinter gekommen sind, dass Bella noch ein Mensch ist und nun den Cullens an den Kragen wollen. Oder ist es Victoria (Bryce Dallas Howard), die den durch Edward verursachten Tod ihres Partners James rächen will, indem sie Bella tötet.
Die Zeichen verdichten sich immer mehr, dass die Armee der Vampire die kleine Stadt Forks angreifen wird. Ohne Hilfe werden die Cullens diesen Kampf nicht überleben. Also schließen sie einen Pakt mit den natürlichen Feinden der Vampire, dem Indianerstamm der Quileute, die sich in Werwölfe verwandeln können. Spannungen zwischen Bella, Edward und Jakob (Taylor Lautner), der immer noch versucht, Bellas Herz für sich zu gewinnen, sind dabei vorprogrammiert.
Grusel für Teenager
Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz wagte sich diesmal der Brite David Slade an die Verfilmung eines Twilight-Romans heran. Mit seinen Filmen '30 Days of Night' und 'Hard Candy' hat er ja schon bewiesen, dass er ein gutes Händchen für düstere Filme und unangenehme Situationen hat. Auch wenn er gleich zu Beginn von 'Eclipse' zeigen darf, was er alles drauf hat, so kann er im weiteren Verlauf des Films nur in Ansätzen diese Gruselstimmung wiederholen. Man darf nicht vergessen, dass 'Eclipse' an ein gewisses Zielpublikum gerichtet ist und somit auch die Altersfreigabe in den USA ein PG-13 nicht überschreiten darf. Und so konzentriert sich Slade neben einem Hauch Selbstironie vermehrt auf die Darsteller, bei denen diesmal vor allem die Nebendarsteller mehr Raum zur Entfaltung bekommen.
Nebendarsteller im Rampenlicht
So gibt es diesmal Rückblenden von Mitgliedern der Cullens zu sehen, die zeigen, wie diese zu Vampiren wurden und welche tragischen Schicksale sich hinter diesen Menschen verbergen. Das hilft den Charakteren natürlich, sich aus der Eindimensionalität zu befreien und beim Kinopublikum mehr Sympathie zu erzeugen. Ein Umstand, der bislang nur den Buchlesern vorbehalten war und auch einer der Gründe, der 'Eclipse' im Vergleich zu 'New Moon' zum interessanteren Film macht.
Die drei Hauptdarsteller agieren solide wie eh und je, Oscar gibt es dafür natürlich keinen. Aber die Charaktere die sie spielen, verlangen auch keine Spitzenleistungen. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie die Karrieren von Pattinson, Stewart und Lautner nach Twilight verlaufen werden und welches Potential tatsächlich in den Schauspielern steckt. Momentan reicht der Star-Status aus, um über die Runden zu kommen. Bleibt noch zu erwähnen, dass Bryce Dallas Howard ('Spider-Man 3') in der Rolle der Victoria als Ersatz für Rachelle Lefevre keine Bereicherung, aber auch keine Verschlechterung darstellt. Die wenigen Worte, die Howard dafür lernen musste, sind nicht der Rede wert.
Beim restlichen Filmverlauf wird es wieder zu geteilten Lagern kommen. Die Fans, sowieso alles gut finden und das restliche Publikum, das mit den interessanten Charakterentwicklungen und der Handlung rund um die Vampir-Armee besser unterhalten wird, aber wieder einmal bei den kitschigen Liebesszenen und der Frage, wer nun wen liebt, zu ungewollten Verschnaufpausen kommen wird. Wer nach den Trailern auf reichlich Action hofft, muss leider bis zum Finale warten, welches zugegebenermaßen rasant und hart in Szene gesetzt wurde. Die gelungene Filmmusik von Howard Shore, ein weiterer Pluspunkt für 'Eclipse', sollte nicht unerwähnt bleiben.
Edward, der edle Vampir
Und was die ewige Diskussion rund um das veraltete Frauenbild der Twilight-Bücher angeht, so wird dieses in 'Eclipse' mit einem Augenzwinkern abgefertigt. Denn hier ist es nicht die Frau, die Sex vor der Ehe für falsch hält, sondern der Mann, der nach Old School Manier die Ehre der Frau bewahren möchte. So viel dazu. Und wer glaubt in der heutigen Zeit noch daran, dass sich weibliche Teenager von altmodischen Frauenbildern beeinflussen lassen würden. Einen Robert Pattinson oder Taylor Lautner würde niemand von der Bettkante stoßen. Es geht doch nichts über Romantik.